Smartes Bildungsmanagement

von Jens Buchloh (Kommentare: 0)

Eingebettet in die Blogbeiträge der letzten Wochen zu Arbeitsleben 4.0, Bildung 4.0 und den Beruf des Bildungstechnologen möchte ich heute von meinen Erfahrungen berichten, die ich Anfang des Jahres auf meiner Bildungsreise gesammelt habe. Dort traf ich Riina Leppmaa, Bildungstechnologin am Tallinna Saksa Gümnaasium. Ich habe ihren Unterricht besuchen dürfen und dabei interessante Erkentnisse gewonnen!

Ein Unterrichtsbesuch bei Riina Leppmaa

Eine Bildungstechnologin in ihrem Unterricht besuchen! Bei diesem Gedanken schossen mir sogleich die wildesten Hightech-Erwartungen durch den Kopf:

  • Roboter, die den Schülern den Unterrichtsstoff vermitteln
  • Virtual Reality mit Hologrammen von historischen Schlachten
  • Schüler, die ihre Bildungsinhalte über einen implementierten Chip am Arm abriefen

Soweit die Phantasie... Die Realität wirkte im ersten Moment etwas ernüchternd. Das Klassenzimmer sah aus, wie jedes x-beliebige Klassenzimmer in Deutschland auch. Die Schüler saßen in Zweierbänken frontal zur Tafel gerichtet und die einzigen „neuen“ Technologien, die mir auf Anhieb auffielen, waren ein Smartboard und Tablets. Da hatte ich doch ein bisschen mehr erwartet. Gerade, wenn immer wieder vom „Smart Country Estland“ berichtet wird - dem hochtechnologisierten Land.

Mit Riina im Gespräch

Doch zurück zu Riina. Da saß ich nun in der hinteren Schulbank und folgte etwas desillusioniert ihrem Unterricht. Im Gedanken hatte ich die Stunde schon fast abgehakt. Ich beobachtete etwas träge, wie sie in ihren Unterricht Tablet und Smartboard einband – und QR-Codes. Riina stellte ihren Schülern Fragen, woraufhin alle begeistert ihre QR-Codes in die Luft hielten. So eine rege Unterrichtsbeteiligung hatte ich selten bei einem Unterrichtsbesuch gesehen.

Langsam wurde mein Interesse wieder geweckt. Die Schüler waren äußerst motiviert und aktiv. Sie konnten sich bei dieser Art des Unterrichts nicht wegducken, sondern jeder musste seine Antwort abgeben. In kürzester Zeit hatte Riina alle Antworten der Schüler erhalten. Ein Tool zeigte ihr ad hoc den Gesamtüberblick über den Wissensstand ihrer Klasse an und sie sah, welcher Schüler in welchem Bereich noch stärker gefördert werden musste.

Es ging ihr gar nicht darum, so viele moderne Technologien wie möglich in ihren Unterricht einzubinden und den klassischen Unterricht auf den Kopf zu stellen. Es ging ihr vielmehr darum, bestimmte Tools zu nutzen, um sich die Organisation ihres Unterrichts zu erleichtern und viel Zeit zu sparen.

Wenn ich an diesen Unterricht denke, kommt mir der Begriff des „smarten Unterrichtsmanagements“ in den Kopf. Gerade ein Manager muss mit seiner Zeit haushalten, er muss entscheiden, bei welchen Aufgaben es sinnvoll ist, diese selbst auszuführen und bei welchen es sinnvoller ist, zu delegieren. Auch ein Lehrer kann seinen Unterricht auf diese Aspekte prüfen:

Es gibt bestimmte Phasen eines Unterrichts, in denen Zeit eingespart und diese effektiver genutzt werden kann.

  • Welche zeitintensiven Schritte können genauso gut weggelassen werden?
  • Welche Schritte empfinde ich im Unterricht als mühsam, aber unerlässlich?
  • Gibt es Tools, die mir hier als Hilfsmittel dienen können?

Hier ist nicht nur der Lehrer selbst in der Pflicht, auch Schulleitung, Bund und Länder - aber auch die Unternehmen. Lasst uns gemeinsam zusammensetzen und prüfen, welche Tools gebraucht werden, diese entwickeln und nutzen! Lasst uns gemeinsam als Bildungsmanager fungieren und Möglichkeiten entstehen lassen, den Unterricht so effektiv wie möglich zu machen.

Ich freue mich immer über Austausch! Schreiben Sie mir einfach.

 

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